Aktuelles
05.03.10
Gegenbesuch der DMSB bei der französischen Müllerschule Enilia-ENSMIC in Surgeres
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Vom 1. - 8. Oktober 2009 hatten die Studierenden der DMSB im Rahmen der jährlichen Schulfahrt die Gelegenheit, die französische Partnerschule in Surgeres zu besuchen. Vorausgegangen war ein fünftägiger Besuch der Klasse 1 der „Ecole National Superieure de Meunerie et Industrie Cerealiers (ENSMIC)“ vom 9. - 13. Februar des Jahres in Braunschweig, bei welchem die ersten persönlichen Kontakte unter den Studierenden und Lehrkräften geknüpft worden waren. Damals hatte die DMSB ein interessantes Programm zusammengestellt, welches neben den gemeinsam durchgeführten Unterrichten an den Vormittagen auch die Besichtigungen des Mühlenmuseums in Gifhorn, der Flechtorfer Mühle in Lehre, der Bühler GmbH in Braunschweig und eine historische Stadtführung an den Nachmittagen beinhaltete. Ein Tag wurde dazu genutzt, mit dem Bus nach Hamburg zu fahren und dort die Aurora Mühle, die Firma Euryza sowie die Firma Kahl in Reinbek zu besuchen. Allen Beteiligten an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank dafür!
Ursprünglich war damals geplant worden, dass jeweils die ersten Jahrgänge durch wechselseitige Besuche den Kontakt aufrecht erhalten sollten, aber die Sehnsucht der im Februar beteiligten Studierenden war so groß, dass die Schulleitung der Enilia-ENSMIC eine Einladung für beide Jahrgänge aussprach (bei freier Kost und Logis!). Nach dem der Förderverein der DMSB die Übernahme der Reisekosten zugesagt hatte, konnte der Bus gechartert werden. Auch hierfür herzlichen Dank!
Am Mittwoch, den 30. September kamen die Studierenden alle um 08:00 Uhr morgens mit ihrem Gepäck in die Schule, von wo aus man nach Schulschluss um 15:00 Uhr startete. Über die A2 ging es Richtung Belgien und dann in der Nacht an Paris vorbei nach Surgeres, wo die ENSMIC seit 2004 beheimatet ist (gemeinsam mit der dort bereits vorher ansässigen „Enilia“ - der entsprechenden Schule für die Bereiche Milch- und Fischereiprodukte). Leider musste um Paris der 3. Autobahnring benutzt werden, so dass der von vielen erhoffte Ausblick auf den Eiffelturm verwehrt blieb.
Nach gut 18-stündiger Fahrt kamen wir am nächsten Morgen gegen 09:30 Uhr in Surgeres an. Nach einer herzlichen Begrüßung gab es in der Cafeteria erst einmal eine kleine Stärkung, danach wurden die Zimmer im Wohnheim bezogen und
nach einer erfrischenden Dusche waren wir bereit für die Schul- und Stadtbesichtigung, die von den französischen Studierende vorbereitet worden war.
Der größten Eindruck hinterließen dabei die neuen Gebäude der ENSMIC: Zum einen die neue
Versuchsmühle, die gerade montiert wurde, zum anderen auch das Schulungsgebäude mit den Unterrichtsräumen, dem Mühlen- und dem Futtermitteltechnikum sowie dem Mühenlabor. Die Räume für die Bäckerei waren noch nicht fertiggestellt, da
hier noch die Maschinen für die neue Mühle zwischengelagert waren. Am Abend wurden wir dann im Rahmen eines festlichen Empfanges vom Schulleiter, zahlreichen französischen Kolleginnen und Kollegen sowie den Studierenden offiziell begrüßt.
Am Freitag standen dann zwei Mühlenbesichtigungen auf dem Programm. Rund 75 Studierende und Lehrkräfte machten sich nach dem Frühstück auf den Weg zur „Minoterie Bellot“, wo wir die neue Weizenmühle – ein 300 t/d Bühler Sytem mit
der modernsten Technik ausgestattet - besichtigen durften. Nach dem Mittagessen in einer nahe gelegenen Partnerschule des Agrarbereiches ging es weiter zur „Minoterie Boiron“.
Hier gab es ein weitgehend original erhaltenes 40 t/d - System
der französischen Firma „Les Ateliers de Construction de la Societe Generale Meuliere“ aus den 20'er Jahren des „vorigen“ Jahrhunderts zu bestaunen. Nach einem kleinen Imbiss im idylischen Garten der Familie Boiron machten wir uns auf den
Rückweg zur Schule, wo das gemeinsame Abendessen eingenommen wurde. Spontan hatten die Studenten der ENSMIC hatten noch einen gemütlichen Ausklang im Garten eines ortsansässigen Studenten organisiert. Und in geselliger Runde wurde
der im Februar in Braunschweig aufgenommene Film des französischen Besuches präsentiert. Als der Kollege Yvon Bourson dann noch seine Trompete ertönen ließ, war der Tag perfekt und die meisten nutzen dann auch dankbar die Möglichkeit,
als der Bus in Richtung Wohnheim aufbrechen musste.
Das Wochenende war dem kulturellen Teil der Reise gewidmet. Am Samstag stand La Rochelle auf dem Programm, die ca. 30 km entfernte Hauptstadt des Departments Charente-Maritime, deren Ursprünge bis in das 10. Jahrhundert zurück reichen und die bis zum 15. Jahrhundert den größten französischen Atllantikhafen innehatte. Auch wenn heute in La Rochelle die internationale Schifffahrt kaum noch eine Rolle spielt – außer bei den Freizeitkapitänen, mit dem größten französischen Yachthafen an der Atlantikküste – , so ist er immer noch einer der bedeutenden Fischereihäfen des Landes. Seine Kapazität erreicht die vierte Stelle in Frankreich. Beim Umschlag von Handelsgütern, mit einem Bruttovolumen von etwa 6 Millionen Tonnen jährlich, nimmt er den achten Rang unter den französischen Häfen ein und hierbei besonders bei den Gütern Holz und Getreide. Den Getreideterminal konnten wir leider nur von Ferne sehen, da er sich im Sperrgebiet des Hafens befindet.
Am Vormittag gab es eine Führung durch die historische Altstadt, der Nachmittag stand zur freien Verfügung und wurde in gemischten Gruppen auf vielfältige Weise genutzt: Marktbesuch, Bootsfahrt, Chillen am Strand und auch im Wasser. Am
Abend traf man sich dann in einem Restaurant in Strandnähe zum gemeinsamen Essen, bevor es dann wieder Richtung Surgeres ging. Am Sonntag ging es wieder früh am Morgen los. Zuerst versuchten wir noch einmal etwas näher an den
Getreideterminal in La Rochelle heran zu kommen und fanden auch einen frei zugänglichen Fußweg auf das Gelände, wurden aber nach kurzer Zeit von der Security unmissverständlich aufgefordert, das Gelände umgehend wieder zu verlassen.
Daher machten wir uns dann auf den Weg zu einer der vorgelagerten Inseln - der Ile d'Oleron, wo wir in kleineren oder größeren Gruppen in den umliegenden Restaurants die Früchte und Tiere des Meeres genossen – oder auch Pizza. Nachmittags
wurde bei strahlendem Sonnenschein ein Strand auf der Insel aufgesucht und die Seele baumeln gelassen.
Für den Abend hatte der Direktor uns zu einem Abendessen in das „Grand Cafe“ in Surgeres eingeladen, so dass wir die Insel leider zeitig wieder verlassen mussten, um uns vorher noch etwas in Schale zu werfen. Nach dem hervorragenden Essen
in geselliger Runde ging es dann langsam wieder in Richtung Unterkunft.
Der Montag stand wieder im Zeichen der Müllerei. Es wurden zwei Mühlen in der näheren Umgebung von Surgeres besucht, die gemeinsam unter dem Namen „Les Meuniers du Littoral“ firmieren. Die Studierenden wurden in zwei Gruppen geteilt
und die Betriebe dann im Wechsel besucht. Der Betrieb im Ort St. Germaine mit einer Leistung von ~ 200 t/d (Bühler) hat sich auf die Industriebäckereien spezialisiert. Auch das Labor findet sich hier. Die Minoterie Morisset in Mauze sur le Mignon
beliefert vorwiegend die handwerklichen Bäckereien mit Mehlen, die auf einem „Schneider Jaquet & Cie“ - System hergestellt werden oder mit der dort vorhandenen Spezialmühle: B1 = Mahlgang sowie eine Steinmühle mit 5 Passagen.
Hier findet sich dann auch die gemeinsame Versuchsbäckerei, in welcher die Studierenden handwerklich Baguettes herstellen durften, die wir dann auf der Rückfahrt im Bus sensorisch begutachteten.
Am Dienstag Morgen sowie den ganzen Mittwoch über fand gemeinsamer Unterricht in verschiedenen Fächern statt. Jeweils 5 – 8 DMSB-Studies waren z.B. im mikrobiologischen Labor, im lebensmittelanalytischen Labor, in der Fischproduktion, bei der Käse- und Butterherstellung. Im EDV-Unterricht wurde das Thema „Europäischer Lebenslauf“ behandelt und eine Gruppe arbeitete im Sensoriklabor. Das Highlight aber war sicherlich der Mahlversuch, der am Mittwoch den ganzen Tag über mit wechselnden Gruppen eine komplette Vermahlung nachbildete. Am Dienstag Nachmittag stand die letzte Mühlenbesichtigung bei der „Grand Moulin d'Ozon“, einem ~ 350 t/d Sangati-System. Das großzügige Gebäude wirkte mit den Maschinen sehr übersichtlich und „aufgeräumt“, besonders hervorzuheben war aber die moderne Packerei. … Und die freundliche Bewirtung mit Champagner und Orangensaft zum Abschluss.
Freundlich bewirtet wurden wir auch am Mittwoch Abend von den französischen StudentInnen, die zum Abschluss des Besuches ein Schulfest organisiert hatten. Am Nachmittag war ein Fußballturnier vorausgegangen, das – wenn auch sehr knapp – vom Team DMSB gewonnen wurde.
Am Donnerstag Morgen hieß es dann Abschied nehmen: Herr Böttcher dankte den französischen KollegInnen und StudentInnen im Namen der Schule für die gewährte Gastfreundschaft und die überaus interessant ausgewählten Ziele, Herr Albers dankte im Namen der Studierenden. Die französischen Klassensprecher und die Schulleitung sowie die Haupt-Organisatoren Kristell Corvellec und Yvon Bourson verabschiedeten uns mit dem ausdrücklichen Wunsch, die Kontakte zu pflegen und auszubauen.
Die Rückreise verlief ohne weitere besondere Vorkommnisse – außer, dass wir diesmal den Eiffelturm sehen konnten – und wir erreichten Braunschweig am Freitag in den frühen Morgenstunden.
