Aktuelles

12.03.02

Der Weg zum kompetenten Mischfuttertechniker

K. F. Vorher, Minden


Die Deutsche Müllerschule Braunschweig (DMSB) bietet durch eine Konzentration ihres Lehrplanes eine umfassende Ausbildung zum Produktions- und Anlagenbau-Techniker in der Mischfutterbranche.


Der im Frühjahr 2001 erfolgte Umzug der Fachschule für Mühlenbau, Getreide- und Futtermitteltechnik - DMSB an einen anderen Standort innerhalb der Mauern Braunschweigs war gleichfalls das Startsignal für eine Straffung des Studiums durch eine Konzentration des Lehrplanes.

In der Fachzeitung "Die Mühle + Mischfutter" wurde sowohl der gesamte Ausbildungsrahmen, als auch der konzentrierte Lehrplan für den „Staatlich geprüften Techniker, Fachrichtung Mühlenbau, Getreide- und Futtermitteltechnik“ - mit dem Schwerpunkt Verfahrenstechnik und/oder Anlagenbau - unter dem Gesichtspunkt Müllerei und Mühlenbau bereits in den Ausgaben Heft 14/98 und Heft 18/01 vorgestellt.

Da der Ausbildungszweig „Futtermittel-/ Mischfuttertechnik“ durch die Bezeichnung der fachlichen Ausrichtung „Mühlenbau, Getreide- und Futtermitteltechnik“ eine gezielte Einbeziehung in die Ausbildung an der DMSB erfahren hat, soll hier der „Mischfuttertechniker“ in den Mittelpunkt der Berichterstattung gestellt werden.


Qualifizierte Mischfuttertechniker werden dringend benötigt, ganz besonders nach den vergangenen Krisen in der Veredlungswirtschaft, die die Verbraucherschaft verunsichert haben und von den die Medien sehr oft nicht korrekt dargestellt wurden. Daher ist es dringend geboten alle Erkenntnisse, Vorgaben und Qualitätsmaßnahmen in die Tat um zu setzen und das auch öffentlich zu machen. Dabei ist Verantwortungsbewußtsein, Durchsetzungsvermögen und Kreativität in allen Bereichen der Mischfutterwirtschaft dringend gefordert. Eine Voraussetzung dafür sind gut ausgebildete Mitarbeiter, die ihre eigenen Kenntnisse vereint mit den vor erwähnten Eigenschaften umsetzen.


Ein interessantes und fruchtbares Aufgabenfeld will weiter bearbeitet werden, denkt man an benötigte verschleppungsfrei arbeitende Fördertechnik, an eine wirksame, jedoch transparente Hygienebehandlung oder nur an die Umsetzung von praktikablen Betriebsorganisationsformen. Daraus ergibt sich eine Vielfalt an Arbeit, die selbst bei dem Vorhandensein ausgeklügelter Qualitätsmanagement-Systeme noch längst nicht in der Praxis erledigt ist. Daher bleibt sowohl auf dem Gebiet der relevanten Verfahrenstechnik, als auch im Anlagenbau von Mischfutterwerken noch viel zu tun.

Für die Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker mit dem Schwerpunkt Futtermittel-/Mischfuttertechnik und/oder Anlagenbau-Mischfutterwerke sind drei Gesichtspunkte bemerkenswert: 

1. Die Wahlmöglichkeiten durch den gestrafften Lehrplan 

2. Die Projektarbeit im Technikum der Internationalen Forschungsgemeinschaft Futtermitteltechnik (IFF) in Braunschweig-Thune. 

3. Das Dozenten-Kollegium mit Praxisnähe 


Das Studium beginnt mit der Auffrischung und Vermittlung von Grundlagenwissen in Mathematik, Physik und Chemie und leitet über zur Anwendung dieses Wissens in Mechanik und Festigkeitslehre, Getreide- und Futtermittelkunde, Mühlen- und Futtermittelchemie in Theorie und Praxis. Zu der Vermittlung von Fachkenntnissen zählt Elektrotechnik, Mess- und Regeltechnik, Müllerei- und Futtermittel-Maschinenkunde, Diagrammtechnik einschließlich Computeranwendungsprogrammen, z.B. EDV, CAD, Qualitätsmanagement-Systeme, Mitarbeiterführung und Betriebswirtschaftslehre ergänzen den Unterricht. 

Die Wahlmöglichkeit im Lehrplan 


Zur Ausbildung verantwortungsbewußter Mischfuttertechniker an der DMSB bietet sich entweder die Richtung „Verfahrenstechnik“ oder „Anlagenbau“ als Schwerpunkt an. Ermöglicht wird jedoch durch die Umsetzung der neuen Konzeption der Abschluß in beiden Schwerpunkten. Die Lehrplanstraffung hat eine Anhebung der wöchentlichen Studienzeit um ca. 25 Prozent zur Folge. Dadurch wird bei entsprechender Zielstrebigkeit, Ausdauer und persönlichem Einsatz die Möglichkeit zu Belegung und Abschluß beider Schwerpunkte in einem integrierten Studiengang von 2 Jahren geschaffen. 


Die schwerpunktbezogenen Fächer für den Anlagenbau sind CAD, Förder- und Silotechnik, Mühlenbau und Anlagenplanung, Steuer- und Regelungstechnik, Elektro- und Messtechnik. 

Die relevanten Fächer für die Verfahrenstechnik sind Chemie und Labortechnik, Futtermitteltechnik, Tierernährung, Getreide- und Futtermittelanalytik, Tierernährung und Mahlverfahren. 

Für beide Bereiche wird die Auffrischung von praxisorientierten Sprachkenntnissen in Englisch und Deutsch angeboten, des weiteren zählen Betriebswirtschaft und Mitarbeiterführung zu den allgemeinbildenden Fächern. Das vorgestellte Konzept spart gegenüber der bisherigen Aufteilung in zwei Studiengänge dem Studierenden ein volles Jahr, d.h. in einem zweijährigen Studium können die Abschlüsse für den ‘staatlich geprüften Techniker’ im Anlagenbau und in der Verfahrenstechnik (Mischfutter-Zertifikat) erlangt werden. 


Die Projektarbeit im IFF-Technikum zur Ausbildung kreativer Mischfuttertechniker an der DMSB ist aus der Sicht der Praxis ein wesentlicher Bestandteil des Studiums und entspricht nach Aussage der Schulleitung einer vereinfachten Diplomarbeit. 

Das Studienfach "Projektarbeit" ist sowohl für die Verfahrenstechnik, als auch für den Anlagenbau Pflicht- und Prüfungsfach. Im Anlagenbau wird die Erstellung kompletter Anlagen vom Angebot über die Abwicklung einschließlich Montage bis zur Inbetriebnahme und Übergabe als ein Projektumfang durchgeführt. Die Projekte im Bereich Verfahrenstechnik beziehen sich auf Produktionsprozesse und deren Untersuchungen, wie Gestaltung verschleppungsfreier Anlagen durch neue Techniken oder den Einsatz von Vakuum-Coating, Bulkblending u.ä. Die Projektarbeit wird im Technikum des Forschungsinstitutes Futtermitteltechnik der Internationalen Forschungsgemeinschaft Futtermitteltechnik, Frickenmühle, Braunschweig-Thune, durchgeführt und kann bei Bedarf in den dortigen Labors untersucht und ausgewertet werden. 


Weitere Projektschwerpunkte sind das Qualitäts- und Hygiene-Management in Mischfutterwerken, die Automatisierung von Produktionsabläufen, die Umsetzung des HACCP-Prinzips, - u.v.m. 

Ein besonderer Stellenwert kommt den Untersuchungsmethoden zur Überprüfung der Arbeitsgenauigkeit von Mischfutteranlagen zu, die einen wesentlichen Bestandteil zur Erlangung der Anerkennung als Hersteller von Vormischungen und Mischfuttermitteln nach FMV §§ 29 und 29a, sowie zu einer Registrierung nach FMV §§ 31 und 31a bilden 

Der Abschluß für den Verfahrenstechniker ‘Futtermittel-/Mischfuttertechnik’ wird durch die Erlangung „Futtermittelzertifikat“ erreicht 


Das Dozenten-Kollegium mit Praxisnähe zur Ausbildung durchsetzungsfähiger Mischfuttertechniker an der DMSB bildet die Garantie für eine moderne, leistungs- und praxisorientierte Wissensvermittlung. 

Als erstes Mitglied ist zu nennen Dipl.-Ing. Karl-Friedrich Robohm , Braunschweig, der mit seinem Erfahrungsschatz als früherer Wissenschaftler der IFF als Leiter der Fachschule geradezu ein Glücksfall ist. Während seiner Tätigkeit am Forschungsinstitut Futtermitteltechnik führte Dipl-Ing. Robohm in den alten Bundes- und Beneluxländern in vielfältiger Weise Anlagenuntersuchungen in Mischfutterwerken aller Größen und Produktionsprogramme durch. Das verschafft ihm die Fähigkeit zu praxisnaher Vermittlung der Gebiete Qualitäts- und Betriebsmanagement, sowie Hygienemaßnahmen für die Mischfutter-Herstellung. Das und seine wissenschaftliche Arbeit bieten für den Studierenden an der DMSB eine enorme Wissensquelle, im Besonderen für den angehenden Mischfuttertechniker. 

Als stellvertretender Schulleiter steht Studienrat Georg Böttcher Herrn Robohm zur Seite. Er ist von der Pike auf gelernter Müller, dann an der DMSB ausgebildeter Müllereitechniker und Müllermeister und bietet somit die Gewähr für Praxisnähe in der Projektarbeit. Darüber hinaus ist er u.a. für die Bereiche Maschinenkunde, Getreidechemie und Labor zuständig ist. 

Das mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagenwissen bringt Studienrat Dipl.-Physiker Gustav Rackebrandt einschließlich Meßtechnik und Informatik zur Kenntnis. 


Das hauptamtliche Lehrerkollegium wird durch Gastdozenten ergänzt. 

Oberingenieur Ottokar Feiß vermittelt als Teilzeit-Dozent die Kenntnisse auf dem Gebiet Anlagenbau und -planung, CAD und Anlagen-Projektarbeit vom Angebot bis zur Übergabe. 

Den Bereich Tierernährung einschließlich Rohstoffkunde, Stoffwechselvorgänge und Nährstoffverwertung vermittelt Professor Dr. Schulz von Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft FAL, Braunschweig, unter Erläuterung der einschlägigen Gesetzeskunde. 

Für den Bereich Qualitätsmanagement steht Dipl.-Ing. Sabine Botterbrodt (Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V., Detmold) zur Verfügung. Über die Grundlagen der Betriebswirtschaft referiert Dr. Christian Schmidt, Institut für Ökonomie der Ernährungswirtschaft. 


Der zukünftige Mischfuttertechniker hat in vielen Fällen eine der beiden Berufsschulen für Müller in Stuttgart oder Wittingen während einer dreijährigen Ausbildungszeit besucht. Er bringt daher sowohl ein fachliches Grundwissen aus der Berufsschule, als auch praktische Fertigkeiten und Kenntnisse aus dem Lehrbetrieb mit. 


Neben den gelernten Müllern sind in der Regel auch Absolventen aus den Berufen der Metallbearbeitung, dem Anlagen- oder Stahlbau, sowie heutige Industriemechaniker, früher Betriebsschlosser, zur Ausbildung zum Anlagenbau-Techniker an der DMSB willkommen. Für den Bereich Mischfuttertechnik ergibt sich der Hinweis auf Seiteneinsteiger aus Berufsfeldern der Landwirtschaft (evtl. auch angrenzende Berufe), die in einem Mischfutterwerk schon als Anlagenfahrer im Silo-, Mischerei- oder Pressenbereich tätig sind. Auch diese potentiellen Interessenten an einem DMSB-Studium werden bei Eignung gern aufgenommen. Voraussetzung zum Besuch der DMSB ist der Sekundarabschluß I/ Realschulabschluß oder ein gleichwertiger Bildungsstand, sowie eine erfolgreich abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung mit einer mindestens einjährigen einschlägigen Berufstätigkeit. 


Die Arbeit des Mischfuttertechnikers vollzieht sich derzeit in einem schwierigen Umfeld und hat deshalb, egal ob im Anlagenbau oder in der Produktionstechnik, zur Umsetzung der Formel "Produktsicherheit für Mischfutter" oder "Tiere füttern heißt Menschen ernähren" für optimale Qualitätssicherung zu sorgen. Aufgrund der angesprochenen Krisen ist die gesamte Futtermittelwirtschaft in ihrem Ansehen beschädigt worden und es sollte das Bestreben aller Verantwortlichen sein, verlorenes Vertrauen durch weitestgehende Transparenz zurück zu gewinnen. 


Das Aufgabenfeld des jungen staatlich geprüften Technikers „Anlagenbau“ erstreckt sich nach Neigung und Schwerpunktwahl vom Projekt-Assistenten, der zu Beginn Detailarbeit wie Zustandsaufnahme, Aufmaß oder Angeboterstellung zu bearbeiten hat und mit fortschreitendem Projekt Aufgaben übernimmt, bis zum selbständigen Projektleiter oder Konstrukteur. 

Der junge Verfahrenstechniker findet seine erste Aufgabe z.B. als Betriebsassistent in einem Mischfutterwerk. Je nach Größe des Unternehmens als unmittelbarer Mitarbeiter des Inhabers oder des Produktions- oder Betriebsleiters. Ältere Absolventen können je nach Erfahrung selbstständige Funktionen zur Leitung eines Betriebsteiles oder Betriebes übernehmen. 

Wichtig ist bei Antritt einer neuen Stelle, die neue Aufgabe mit Augenmaß und ruhiger Übersicht, sowie Offenheit gegenüber Mitarbeitern und Gegebenheiten an zu treten. Zu Beginn einer Tätigkeit sollten eigene Vorstellungen und erworbene Kenntnisse zurückhaltend eingesetzt werden, bis sich eine Meinung durch gewonnene Übersicht gefestigt hat und einer Diskussion standhält. 


Die Ablegung einer Meisterprüfung im Müllerhandwerk der aktuellen Metall-Handwerksrichtungen ist für den Absolventen stets von Vorteil, um später ausbilden zu können. Die Prüfungen können entweder an der Handwerkskammer oder für die Industrie vor der Industrie und Handelskammer Braunschweig abgelegt werden, wobei für den fachtheoretischen Teil der DMSB-Abschluß anerkannt wird. 

Die Erlangung der Fachhochschulreife durch den erfolgreichen Abschluß der Deutschen Müllerschule Braunschweig, wie an allen Fachschulen im Land Niedersachsen, eröffnet für den Berufsweg eines Müllerschul-Absolventen ganz neue und weit gefächerte Perspektiven. 


Eine zusammenfassende Betrachtung sei dem Berichterstatter, - selbst Absolvent der DMSB vor fünfzig Jahren und langjähriger Leiter eines Mischfutterwerkes, - am Ende dieser Ausführungen gestattet. Rückblickend auf die Spanne dieser fünfzig Jahren, auf den damaligen Stand der Futtermitteltechnik und den seinerzeitigen Wissensstand hat eine enorme Entwicklung in der Wissenschaft und der Technik des Bereiches „Mischfutter-Technologie“ stattgefunden. Vom einfachen Mahlen, Mischen und gesacktem Versand zu dem heutigen computergesteuerten Produktionsverfahren mit Hygienebehandlung und Nährstoffverbesserung, sowie Aufsprühen, Coaten und Fertigmischen während der losen Verladung war es ein gewaltiger Techniksprung. 


Dieser Entwicklung hat sich auch die DMSB in ihrem Lehrplan immer wieder gestellt und gewährleistet so die Ausbildung zum qualifizierten Techniker im Anlagenbau und der Verfahrenstechnik. 


Der Stand der Mischfuttertechnik mit seinem ständigen Verbesserungs- und Anpassungsdruck gibt dem heutigen Mischfuttertechniker eine Fülle technischer Möglichkeiten zur Bewältigung bestehender Aufgaben an die Hand. Die Entscheidungsfindung jedoch bleibt beim Betreiber, sprich dem Mischfutter-Verfahrenstechniker. Dabei soll ihm das in der DMSB erworbene Wissen die erforderliche Hilfe geben, sowie im Laufe der Berufsjahre auch die gemachte Erfahrung. Gibt er diese dann weiter an interessierte Auszubildende, so schließt sich der Kreis für einen ganzen und sehr alten Berufsstand.