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04.12.00

Neue Perspektiven zur qualifizierten Weiterbildung an der Deutschen Müllerschule Braunschweig

K.F. Robohm, Braunschweig


Die Deutsche Müllerschule bietet das geeignete Rüstzeug für die Ausbildung von Führungskräften der Mühlen- und Mischfutterwirtschaft. Das gleiche gilt für den Mühlen- und Anlagenbau. Sie ist mit ihrem Fachspektrum und Weiterbildungsangebot für die Getreide- und Futtermittelwirtschaft sowie für den fachspezifischen Maschinen- und Anlagenbau weltweit die einzige staatliche Fachschule dieser Art.


Ausbildungsschwerpunkte

In den vergangenen Jahren wurde das Ausbildungsangebot deutlich ausgeweitet und den Erfordernissen der Wirtschaft angepasst. Vor allen Dingen in der Mühlenplanung, in der Futtermitteltechnik (Futtermittelzertifikat!), in der allgemeinen Verfahrenstechnik sowie in der Vorbereitung auf Führungsaufgaben im Betriebsmanagement. Durch Verpflichtung zahlreicher Gastdozenten aus der beteiligten Industrie ist ein praxisorientierter Unterricht gewährleistet, wobei insbesondere Hygiene- und Qualitätsmanagement, Informationstechnik und projektbezogene Arbeit im Mittelpunkt der Ausbildung stehen.


Die im Studium an der DMSB vermittelten verfahrenstechnischen Kenntnisse und Fertigkeiten versetzen den Absolventen in die Lage, den fachlichen Anforderungen als Produktions- oder Betriebsleiter, als Qualitätsmanager oder Reiseobermüller, im Anlagenbau als Projektleiter, und natürlich zur Führung des eigenen Betriebs, gerecht zu werden. Die Berufsaussichten in der Müllerei, in der Futtermittel- bzw. Lebensmittelwirtschaft und anderen verfahrenstechnischen Wirtschaftszweigen sind gut. Bisher haben alle Absolventen einen entsprechenden Arbeitsplatz bekommen.


Verkürzte Ausbildungszeit

Die Müllerschule nimmt den bevorstehenden Standortwechsel in den Komplex der Berufsbildenden Schule II zur Salzdahlumer Straße 85 (siehe „Mühle + Mischfuttertechnik Heft 20, S. 666) zum Anlass, in einer neuen modernen Schulanlage mit aktualisierten Lehreinrichtungen auch die bisherige Ausbildung den heutigen Anforderungen anzupassen.


Äußeres Zeichen dieser Veränderung ist die Vereinigung der bisher bestehenden zwei Fachrichtungen „Müllereitechnik“ und „Mühlenbautechnik“ zu einer Fachrichtung „Mühlenbau, Getreide- und Futtermitteltechnik“ mit zwei Schwerpunkten, dem müllereibezogenen Anlagenbau (Mühlenbautechnik) und der fachbezogenen Verfahrenstechnik (Müllerei- und Futtermitteltechnik). Beide Schwerpunkte können innerhalb der zweijährigen Ausbildungszeit belegt und gleichzeitig abgeschlossen werden. Dies führt bei einer erheblichen Straffung des Unterrichts zu einer Verkürzung des Ausbildungsgangs von bisher drei Jahren (bei bisheriger Belegung der beiden Fachrichtungen Müllerei- und Mühlenbautechnik) auf zwei Jahre. Natürlich ist die zeitliche Reduzierung der Ausbildung nur mit einer deutlichen Erhöhung der wöchentlichen Unterrichtsstundenzahl von 30 auf 37,5 Stunden verbunden.


Erstmalig ist im Wortlaut der Fachrichtungsbezeichnung die Futtermittelwirtschaft einbezogen. Um Interessenten aus dieser Branche ebenfalls Ausbildungsmöglichkeiten bieten zu können, was im gewissen Umfang schon jetzt gegeben ist und wahrgenommen wird, ist die Einrichtung eines weiteren Schwerpunkts „Futtermitteltechnik“ geplant. Neben den bekannten Grundlagenfächern wird in diesem Schwerpunkt Gewicht auf produktbezogene Verfahrenstechnik, Analytik mit Rohstoffkunde und Anlagenplanung, besonders unter dem Gesichtspunkt eines verschleppungsfreien Produktionsablaufs, gelegt. Zukünftige Studierende können dann unter mehreren Schwerpunkten wählen und sich ihr Studium nach persönlichen Berufswünschen und Neigungen zusammen stellen.


Zugangsvoraussetzung

Zugangsvoraussetzungen sind für den Schwerpunkt Müllereitechnik bzw. Futtermitteltechnik der Sekundarabschluß I oder Realschulabschluß, sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung als Müller und eine mindestens einjährige berufsbezogene Praxis. Für den Mühlenbauer gilt ebenfalls eine abgeschlossene Berufsausbildung, wobei einschlägige Zugangsberufe beispielsweise Betriebs-, Montage- und Stahlbauschlosser mit mindestens einjähriger Berufserfahrung in einem entsprechenden technischen Betrieb Voraussetzung ist. Gleiches gilt auch für Berufe wie Technischer Zeichner o.ä.


Meisterprüfung

Auch am neuen Standort der DMSB kann parallel zur Technikerausbildung vor der Handwerkskammer Braunschweig die Meisterprüfung im Müllerhandwerk und im Mühlenbauerhandwerk abgelegt werden. Bei erfolgreichem Technikerabschluss der DMSB entfällt der fachpraktische und fachtheoretische Unterricht. Die fachpraktische Prüfung (Teil II) wird in der Schulmühle der Berufsschule für Müller in Wittingen durchgeführt. Für die Teile III und IV der Meisterprüfung, also Buchführung und Arbeitspädagogik, werden von der Kreishandwerkerschaft Braunschweig Vorbereitungslehrgänge als Nachmittags- oder Abendkurse angeboten.


Abschlüsse

Mit der zweijährigen Ausbildung können folgende Abschlüsse erreicht werden: 

  • Titel "Staatlich geprüfter Techniker, Fachrichtung Mühlenbau, Getreide- und Futtermitteltechnik" mit Schwerpunkt Verfahrenstechnik und/oder Anlagenbau, 
  • Meisterprüfung im Müller- oder Mühlenbauerhandwerk, 

  • Futtermittelzertifikat, (berechtigt zur verantwortlichen Leitung eines Mischfutterbetriebes)  
  • Erwerb der Fachhochschulreife